Die Home Office Challenge – was ich gerade über mich und meine Kommunikationsfähigkeit lerne
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Die Home Office Challenge – was ich gerade über mich und meine Kommunikationsfähigkeit lerne

Von heute auf morgen ins 100%-Home Office geschickt werden – Viele Unternehmen und insbesondere Mitarbeiter waren hierauf nicht vorbereitet. Abseits von Ausnahmesituationen glänzt das Home Office mit Vorteilen wie der Vereinbarkeit von Familie und Beruf, mehr Autonomie oder mehr Fokuszeiten. Gerade letztere sind jedoch fraglich, wo jetzt oft auch Zuhause der Ausnahmezustand herrscht. Welche Auswirkungen hat social distancing auf unsere Psyche, wie können wir die Trennung von Arbeit und Freizeit auch Zuhause schaffen und wie gehen wir mit ständiger Erreichbarkeit um? Wie halten wir die Teamkommunikation aufrecht? Diesen dringenden Fragen wollen auch wir ein paar Antworten aus unserer Praxis beisteuern.

Welchen psychologischen Einfluss hat social distancing auf den Einzelnen?

Soziale Verbindungen zu pflegen ist ein wichtiges Bedürfnis des Menschen. Langfristig führt social distancing zur Isolation. Um eine soziale Isolation zumindest zu den Kollegen zu vermeiden, ist es wichtig, auch im Home Office den sozialen Austausch über digitale Kanäle zu pflegen. Der Kontakt zu Kollegen ist weiterhin wichtig, um auch das Gemeinschaftsgefühl aufrechtzuerhalten. Gleiches gilt übrigens für den Kontakt zu Freunden und Familie. Der Mensch ist ein Rudeltier, daher ist es auch für unser Wohlbefinden und unseren Antrieb wichtig, die Resonanz anderer Menschen zu erfahren.

Wie halten wir eine gute und gesunde Kommunikation im Job aufrecht?

Enorm wichtig ist in Zeiten von physischer Distanz vor allem, sich im Team abzustimmen und zurückmelden, welche Kommunikationsmethoden funktionieren, was gut läuft oder auch was verbessert werden muss.
 
Mitarbeiterkommunikation und Feedback sind jetzt besonders wichtig, da sich fast alle auf neue Methoden und Routinen umstellen müssen. Ganz pragmatisch: es kann helfen, auch darüber zu kommunizieren, welchen Plan man für den Tag hat, wann man erreichbar ist, was man gerade macht. Definieren Sie klare Prozesse. Über welches Tool kommunizieren Sie was?

Geben Sie sich gegenseitig Feedback über erledigte Aufgaben, stellen Sie sich gegenseitig Fragen wenn etwas unklar ist, und vor allem, schätzen Sie die Arbeit der anderen besonders in diesen Zeiten weiter wert: Jeder steht durch die Ausnahmesituation tagtäglich vor neuen Herausforderungen und freut sich über die Anerkennung seiner/ihrer Arbeit. 

Welche Themen lassen sich eigentlich im Chat besprechen und was geht nur persönlich?

Wenn der persönliche Kontakt fehlt, können schonmal schnell Missverständnisse aufkommen. Im Chat können Nachrichten untergehen oder es besteht eine Hürde, persönliche Fragen und Themen anzusprechen. Wenn es um dringend zu klärende Fragen geht, empfiehlt sich immer ein kurzes Telefonat. Hier hilft zusätzlich das Spiegeln, wo im Sinne des aktiven Zuhörens das Gesagte nochmal aufgegriffen und erläutert wird, wie es verstanden wurde. Für fachliche Absprachen empfehlen wir ohnehin feste Termine, damit beide Gesprächspartner Zeit haben, sich auszutauschen. Der Chat hilft in diesen Zeiten wiederum, Neuigkeiten und Arbeitsstände, Tagespläne etc. zu teilen.

Darf ich mich barfuß im Jogger vor die Videokonferenz hängen?

Wir selbst haben uns im Team schon dabei ertappt, dass man einiges an Schminke spart und nicht in schicker Bluse am Home-Office Schreibtisch sitzt. In den letzten Tagen gehörte eher der Jogger zum Outfit. Den Chef sieht man vielleicht nicht mehr in Anzug und mit Krawatte vor der Webcam, sondern im lässigen Pulli. Genau das war bisher die symbolische Trennung zwischen Arbeit und Freizeit: Heraus aus der Büro-/Arbeitskleidung, hinein in die Jogginghose.

Darf ich mich denn so lässig vor die Telco oder gar Videokonferenz hängen? Grundsätzlich dürfen Sie sich natürlich Zuhause kleiden, wie Sie wollen, die Frage ist nur, wie viel dies zu Ihrer Trennung von Arbeit und Freizeit beiträgt und ob dies aus beruflicher Sicht angemessen ist, beispielsweise wenn Sie eine Videokonferenz mit einem Kunden halten. Für das bessere Trennen von Arbeit und Privatem empfehlen wir daher, sich möglichst so anzuziehen, wie es zu ihrer beruflichen Rolle passt. Sie hatten vorher einen Business Knigge im Job? Dann macht es Sinn, diesen nicht völlig zu vernachlässigen.

Wie vermeide ich Störfaktoren im Home Office?

Für Eltern ist es in diesen Zeiten besonders schwer, Zuhause Fokuszeiten zu finden. Versuchen Sie wenn es Ihre Aufgaben ermöglichen, die Arbeitszeiten möglichst auf früh morgens und abends zu legen, oder auch auf den Mittagsschlaf der Kinder. So schaffen sie sowohl konzentrierte Arbeitsphasen, als auch Beschäftigungszeiten für die Kids. Weiterhin sollten grundsätzlich Störungen durch private Anrufe oder Gespräche vermieden werden. Versuchen Sie hier möglichst so zu handeln, wie Sie es auch im Büro tun würden. Auch hier zählt die Kommunikation: Klären Sie mit Ihrem Partner, Ihrer Familie, Mitbewohnern Ihre Arbeitszeiten. Eins scheint mir sicher: Kindergesänge im Hintergrund scheinen in diesen Tagen niemanden mehr wirklich zu stören, außer die Eltern selbst.

Von daher gilt: flexibel mit der Situation umgehen, einmal mehr darüber sprechen und darauf freuen, dass wir nach unserer Rückkehr in die Büros eine ganze Menge über das „Remote Arbeiten“ gelernt haben.

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