4 Impulse für deinen Jahreswechsel

Jahreswechsel haben etwas magisches, denn die Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr bringt meist eine besondere Besinnung und ein Nachdenken mit sich. Auch wenn die Tage vor dem Fest einen erhöhten Stresspegel auslösen und die Feiertage mit Kindern und Verwandtschaft strapaziös sein können (seit ein paar Jahren weiß ich selbst, dass Weihnachten als Mutter maßgeblich darin besteht, aufgeregte Kinder zu managen, Essen auf den Tisch zu zaubern und Geschenkpapierberge zu entsorgen). Trotzdem gibt es an den Tagen zwischen den Feiertagen weniger zu tun. Im Büro herrscht meist gähnende Leere, Ausgeh- und Veranstaltungsmöglichkeiten an den heiligen Feiertagen Fehlanzeige. Somit bleibt Raum zum Nachdenken, zum Reflektieren und zum Ziele formulieren für das neue Jahr. Der 31.12. ist ein Wendepunkt, ein Neuanfang, ein Frische-Kick und Abstreifen von Ballast.

Ich habe mich dieses Jahr verstärkt gefragt, weshalb dieser Prozess so gut tut und so wichtig ist und folgende 4 Impulse gefunden.

Schau zurück auf das, was du geschafft hast.

In den letzten 12 Monaten ist wahnsinnig viel passiert und zusammengekommen. Möglicherweise war es anstrengend und emotionale Ereignisse haben dich mitgenommen. Doch es gab immer auch wundersame Zufälle, Begegnungen, Erfolge und Entscheidungen, die dir geholfen haben oder wichtiger Grundstein für etwas Weiteres waren. Ich führe seit einiger Zeit ein Minuten-Tagebuch, mit dem ich die Alltagsmomente auch zwischendurch festhalten kann. Um so schöner ist es dann zum Jahresende, ein Resümee der vielen kleinen geschafften Schritte ziehen zu können. Jeder wird sich über sich selbst wundern und staunen können, was in 365 Tagen alles zusammenkommt. Ein echter Selbstbewusstseins-Boost.

Was und wer tat dir gut.

Behalte diese Dinge und Menschen in deinem Leben. Wir haben die verdammte Pflicht, dafür zu sorgen, dass es uns gut geht und wir unsere Entscheidungen daran ausrichten, was wir wirklich wollen. Wenn wir es nicht tun, tut es niemand mit dieser Dringlichkeit für uns. Daher überlege dir immer wieder, für was und wen du dankbar bist und was du in deinem Leben haben möchtest. Umgekehrt bedeutet dies natürlich auch, die Verantwortung dafür zu übernehmen, dich von Dingen zu trennen, die dich bei deiner Zielerreichung bremsen, die dir schlechte Energie zufügen oder Dir sogar schaden. Wir dürfen uns die Frage stellen, was uns gut tut, nein, wir müssen es sogar.

Was vermisst du noch in deinem Leben

Wen oder was wünscht du dir noch? Unerfüllte Wünsche oder Sehnsüchte hat jeder. Nicht umsonst brummt zum Jahreswechsel der Verkauf von Fitnessstudio-Mitgliedschaften und Ernährungsratgebern. Nicht umsonst werden neue berufliche Ziele gesteckt, Jobs verstärkt zur Jahreswende gewechselt oder wichtige Entscheidungen noch schnell im Dezember getroffen. Gut so, denn nur wer seine Ziele und Wünsche konkretisiert, kann sie auch erreichen. Dies heißt aber auch, dass ich mir die persönlichen Vorsätzen schnappen sollte, die ich auch ernsthaft erreichen möchte und an denen ich wirklich dranbleiben will. Die erfolgreiche Umsetzung kommt schon von ganz alleine, wenn der Wunsch wirklich dringend ist.

Was hast du dieses Jahr über dich gelernt.

Wir wollen wachsen und uns immer weiter entwickeln. Wir bilden uns weiter, lesen, studieren und lernen auch im hohen Alter noch neue Jobs. Vielleicht müssen wir es sogar, weil der Arbeits- und Lebenswandel es einfordert. Und gleichzeitig kann es ein wunderbares Gefühl sein, einfach nur für sich selbst etwas Neues erlernt zu haben. Was war dein besonderes Learning in 2019 und welche tiefen Wunsch nimmst Du mit für 2020?

Ich wünsche dir einen schönen Start und Frische-Kick ins neue Jahr!

Die Vorurteils-Falle bei der Personalauswahl

Viele haben die folgende Beispielsituation auf die eine oder andere Weise selbst schon mal erfahren: Ein junger Arzt möchte eine Diagnose erklären und muss hierfür zwei Mal in einem Buch nachschlagen, bevor er seine Erklärungen weiter ausführen kann. Na, ob der so kompetent ist?“, geht es einen dann vielleicht schon durch den Kopf: „Und ob die Diagnose auch wirklich auf mich zutrifft? Das werde ich besser noch mal mit dem Oberarzt besprechen. 

So wird sich eine eigene Meinung über eine Person gemacht. Und selbst, wenn die Diagnose des Arztes korrekt ist, wird die Skepsis ihm gegenüber zunächst bestehen bleiben. 

Nach Gordon W. Allport, welcher als Sozialpsychologe maßgeblich die Vorurteilsforschung geprägt hat, lautet die kürzeste aller Definitionen des Vorurteils: von anderen ohne ausreichende Begründung schlecht denken.“*

Auch Personaler haben ebenso mit eigenen Vorurteilen und Voreingenommenheit zu kämpfen. Ein gutes Beispiel ist hierfür in der Personalauswahl, die bereits in der Durchsicht der Bewerbungsunterlagen beginnt 

Ist ein Foto dabei wird innerhalb von Millisekunden bewertet, ob einem der Bewerber sympathisch ist oder nicht. Dieser Eindruck zieht sich dann durch die Bewerbung. Beispielsweise werden als attraktiv wahrgenommenen Bewerbern positive Eigenschaften wie Intelligenz und Kompetenz zugeordnet. In der Psychologie spricht wird dieses Phänomen als sogenannter Halo-Effekt bezeichnet. 

Es kann für einen Bewerber hilfreich sein, sich durch ein vorteilhaftes und professionelles Foto die Einladung zum Vorstellungsgespräch zu verschaffen 

Anders ist dieses Phänomen bei Fotos, in denen sich die Bewerber beispielsweise unvorteilhaft in Szene setzen. Hier kann es den umgekehrten, negativen Effekt haben und sich entsprechend schlecht auf die Entscheidung des Personalers auswirken. In den USA sind Fotos in der Bewerbung aufgrund von möglicherweise diskriminierender Voreingenommenheit deshalb verboten.   

Aber weshalb fällen wir so schnell ein Urteil über einen fremden Menschen? 

Die schnelle, unterbewusste Kategorisierung hilft dem Menschen, sein Gegenüber zu verstehen und mit diesem zu kommunizieren. Da dieses im Unterbewusstsein geschieht, bemerke ich meist gar nicht, dass ich längst entschieden habeob ich jemanden sympathisch oder unsympathisch finde, vertraue oder misstraue. Schwierig wird es, wenn dieses nicht nur eine Einschätzung, sondern auch eine Auf- und Abwertung mit sich zieht, wie im Beispiel mit dem Bewerbungsfoto. Denn das Foto gibt keine verlässliche Aussage darüber, ob der Bewerber kompetent ist oder in das Team passt. 

Welche Methoden und Best Practices können dabei helfen Vorurteile abzubauen und eine vorurteilsfreie Bewertung des Bewerbers vorzunehmen?  

Zunächst hilft es sich der Vorurteilsbildung bewusst zu werden, wovon sich fast niemand freisprechen kann. Im Beispiel sollte hinterfragt werden, warum eine bestimmte Vorauswahl der Bewerbungen vorgenommen wird. Hierfür bietet es sich an, die Profile der Bewerber unabhängig vom Foto und den weiteren Unterlagen zum Abgleich nebeneinander zu legen und erneut zu bewerten. Darüber hinaus kann es auch vorteilhaft sein, sich mit anderen Kollegen auszutauschen und so weitere Informationen einzuholen. 

Letztendlich ist die Bewerbervorauswahl immer dadurch geprägt, dass auf der Grundlage von nur wenigen Unterlagen eine Auswahl getroffen werden muss, welcher Bewerber in die nächste Runde kommt und wer nicht. Aber es lohnt sich, die eigenen Einschätzungen regelmäßig zu hinterfragen und vielleicht auch den Bewerbern eine Chance zu geben, die auf den ersten Blick nicht die perfekten Unterlagen geschickt haben. Und machen wir uns nichts vor: in Zeiten von mangelnden Fachkräften und schnell erstellten digitalen Bewerbungsunterlagen nimmt die Qualität der Bewerbungen leider erschreckend ab. Da schreckt auch das Selfie vor dem Badezimmerspiegel kaum noch einen Personalentscheider ab. 

Autorin: Marie Risse

Quellen:

*http://www.report-psychologie.de/thema-des-monats/archiv/artikel/raus-aus-den-vorurteilen-2015-11-23/

http://www.report-psychologie.de/fileadmin/user_upload/Thema_des_Monats/2015-11-12_Prof._Dr._Andreas_Zick_01.pdf