Weshalb wir in der Krise die mentale Gesundheit pflegen müssen.

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Tagtäglich pflegen wir Routinen und Pläne, und das aus gutem Grund: Sie geben uns Sicherheit, ein Gefühl der Kontrolle, eine Struktur und ermöglichen eine enorme Zeitersparnis, indem wir weniger bewusste Entscheidungen treffen müssen. Kurzum: Routinen erleichtern unseren Alltag.  

Was aber, wenn diese Routinen plötzlich wegbrechen und Pläne nicht mehr zu gebrauchen sind? Genau diese Frage dürfte gerade Viele beschäftigen, bei denen plötzlich von Kurzarbeit die Rede, sogar der Arbeitsplatz bedroht ist oder Überforderung durch zuviele Aufgaben im Home Office aufkommt. Wie beeinträchtigt ein unvorhersehbares Ereignis unsere mentale Gesundheit und wie können uns Routinen und Pläne wiederum helfen, diese zu pflegen? 

Menschen reagieren unterschiedlich auf Belastungen 

Unvorhersehbare und plötzlich eintretende Ereignisse sind Belastungen für den Menschen und zeigen sich bei jedem Einzelnen als individuelle Beanspruchung.  

Viele Menschen haben aufgrund des Kontrollverlustes -bewusst oder unbewusst- Angst, vielleicht auch Panik.  Diese zeigt sich in Form verschiedener Emotionen, aber auch Abwehrmechanismen. Einige haben vielleicht mit Wut oder Empörung reagiert. Andere haben die Krise zunächst verleugnet oder ziehen die Resignation vor. Wenn wir Menschen Kontrolle und Freiheit verlieren, dann versuchen wir diese zurückzuerlangen und den Verlust durch verschiedene Handlungen zu kompensieren – in den letzten Wochen konnte man dies besonders anhand der Hamsterkäufe betrachten, die noch durch das soziale Lernen („andere machen es, ich mache es also lieber auch“), verstärkt wurden. Emotionen wie Angst sind also auch ansteckend. 

 
Die individuelle Beanspruchung hängt von verschiedenen Faktoren ab 

Die individuelle Beanspruchung durch eine Krise ist vor allem von zwei Faktoren abhängig: der Persönlichkeit und der Lebenssituation. Bin ich ein extrovertierter Mensch, fällt mir ein Kontaktverbot besonders schwer. Auch neue Lebenssituationen wie ein neuer Job oder eine Trennung vom Partner können die Beanspruchung verstärken.  

Am Meisten werden wir momentan dadurch verunsichert, dass wir das Ende der Krise nicht absehen können. Für viele ist das neu, planen wir doch oft unser Leben schon für die nächsten fünf Jahre. Und gerade deshalb müssen wir derzeit lernen, mit Unsicherheiten umzugehen. 

Wie Sie die Unsicherheit aushalten können 

Zunächst ist es für unsere mentale Gesundheit wichtig, unsere Emotionen als normale Reaktionen auf ein unerwartetes und unnormales Ereignis zu verstehen und für sich die momentane Situation zu akzeptieren. Das Gute ist: Der Mensch ist in der Lage, sich auch an krisenhafte Zustände anzupassen. Akzeptanz meint nicht, zu resignieren, sondern für sich selbst damit im Reinen zu sein, dass es „ok ist, so wie es gerade ist.“ Diese Haltung gibt uns bei dem Verlust von Routinen, Lebensgewohnheiten und der Freiheit wiederum Kontrolle. 

Ich behaupte, dass es trotz der ganzen Flexibilität und fehlenden Routinen trotzdem möglich und auch notwendig ist, Pläne zu machen. Mit Plänen ist nämlich auch etwas ganz Wichtiges verbunden: Ziele. Und Zwischenziele erreicht zu haben motiviert.  

Weiterhin sollte eine Tagesstruktur aufgebaut oder die alte so gut es geht beibehalten werden. Wenn Sie sonst mit den Kollegen einen Mittagsspaziergang gemacht haben, dann behalten sie diese Routine bei, nur eben alleine.  

Halten Sie soziale Kontakte aufrecht. Wir benötigen weiter Resonanz. Social distancing bedeutet vielmehr physical distancing. Nutzen Sie die digitalen Medien und sprechen Sie miteinander. Besonders für unser Immunsystem ist das jetzt wichtig, denn dieses wird durch das Gemeinschaftsgefühl gestärkt.  

Nutzen Sie die Zeit, um Ihre sozialen Kompetenzen zu trainieren 

In Ausnahmesituationen sind Konflikte mit dem Partner oder der Familie oftmals vorprogrammiert. Die jetzige Situation raubt uns viel Energie und psychische Arbeit, so ist es kein Wunder, dass es schnell mal krachen kann. Hier hilft es dann, sich bewusst von der Konfliktsituation und auch dem Raum, wo dieser stattgefunden hat, Abstand zu nehmen, beispielsweise durch einen Spaziergang. Erst wenn sich die Situation beruhigt hat, sollte das Konfliktgespräch gesucht werden. Wichtig ist bei der Konfliktfähigkeit auch die Empathiefähigkeit. Achten Sie bewusst darauf, wie es gerade Ihrem Partner, Eltern oder Ihren Kindern geht. 

Das Beste aus der Situation machen 

Es kann helfen, zu überlegen, wo mich die Krise eigentlich einschränkt und wo nicht. Schätzen Sie sich glücklich, wenn sie gesund sind. Versuchen Sie, sich nicht zu sehr in Grübelspiralen zu verlieren („Was sollte anders laufen, was könnte passieren“).  

Machen Sie das Beste aus der jetzigen Situation und behalten Sie eine positive Einstellung bei. Rufen Sie sich Ihre Stärken ins Bewusstsein. Nutzen Sie die Möglichkeit der Entschleunigung, die Sie jetzt erfahren. Oft heißt es, dass es gerade die schlechten Erfahrungen sind, die uns zeigen, was wir eigentlich wollen. Was ist Ihnen jetzt wichtig? 

Brauchen Sie Austausch und Inspiration zum Thema? Dann empfehlen wir unser Impulsformat „New Work Night Online“. In regelmäßigen kurzen Vorträgen bekommen Sie kostenlose Tipps von uns.

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Kennen Sie Ihr Wertegerüst und das Ihres Unternehmens?

Quelle: pixabay

Kennen Sie es? Das Unternehmensleitbild Ihres Unternehmens? Viele Unternehmen erarbeiten es mit ihrer Belegschaft in gemeinsamen Workshops, um die wichtigsten Werte und Grundsätze zu identifizieren. Weshalb? Unternehmerisches Handeln braucht eine Vision (Wofür stehen wir) und eine Mission (Was ist unser Ziel). Genauso entscheidend ist auch die Frage nach dem Weg dorthin (Wie erreichen wir das). Unternehmen ist es z.B. wichtig, ehrliche und loyale Mitarbeiter zu beschäftigen, eine wohlwollende Zusammenarbeit zu fördern und den Kunden hilfsbereit zu begegnen.  

Die Frage nach den persönlichen Treibern erleichtert Entscheidungen

Heute möchte ich mich der Frage widmen, ob die Menschen eigentlich ihre eigenen Werte kennen, bevor sie die ihres Unternehmens unterschreiben?

Ich möchte behaupten: zu Wenige können genau sagen, nach welchen Werten und Grundsätzen sie  Entscheidungen treffen, ihren Beruf auswählen und bestimmte Verhaltensweisen an den Tag legen.

In den letzten Tagen ist mir verstärkt aufgefallen, dass Menschen in meinem Umfeld sich wieder mehr mit ihren tiefsten Werten beschäftigen,

  • weil sie auf einmal sich selbst und ihren Gedanken ausgesetzt sind und weniger flüchten können.
  • weil sie auf Vieles verzichten, das ihnen jetzt umso mehr bewusst wird.
  • weil sie sich angesichts der krisenhaften Lage um die existenziellen Fragen des Lebens kümmern.

Wie entstehen eigentliche unsere Werte

Das folgende Modell zeigt ein Individuum in seinem Umfeld. Die Kreise sind das ICH, außerhalb des Kreises liegt das Umfeld, welches das Individuum prägt.

Quelle: persolog

Die genetisch bedingten Persönlichkeitszüge sind die Eigenschaften, die ein Mensch bei Geburt mitbekommt (z.B. Augenfarbe, Hautfarbe, Größe, Veranlagungen, Temperament etc.).

Die Kernpersönlichkeit wird im Laufe unseres Lebens ausgeprägt und entsteht durch Interaktion mit unserem Umfeld. Aus einschneidenden Erlebnissen und Entwicklungsschüben bilden wir Werte, Einstellungen und persönliche Überzeugungen (Glaubenssätze).

Wenn die Kernpersönlichkeit mit der Umwelt in Kontakt tritt, wird das Verhalten des Menschen deutlich. Die Reaktionen eines Menschen können von ihm selbst und seinen Mitmenschen beobachtet werden.

Unsere Werte entscheiden also darüber mit, wie wir uns verhalten und wahrgenommen werden, da wir unsere Entscheidungen und unser Handeln (mal mehr, mal weniger) bewusst daran ausrichten.

Ermitteln Sie Ihre persönlichen Werte

In meiner Coaching-Praxis durfte ich vor einigen Jahren eine einfache Übung kennenlernen, die ich mir bei „ein guter Plan“ abgeschaut habe. Ich war so erstaunt, dass ich nach dieser kleinen Übung eine so große Klarheit über mein Wertegerüst erlangt hatte, dass ich es hier mit Ihnen teilen möchte. Die folgende Liste zeigt eine Zusammenfassung von Werten.

Akzeptanz Intuition Gerechtigkeit
Spiritualität Gleichheit Realismus
Verantwortung Kreativität Wohlstand
Balance Wissen Kooperation
Gemütlichkeit Qualität Schönheit
Ruhm Liebe Selbstständigkeit
Effizienz Loyalität Aufregung
Zeit für mich Überlegenheit Stabilität
Engagement Leidenschaft Dankbarkeit
Einfachheit Mitgefühl Zuneigung
Flexibilität Achtsamkeit Vertrauen
Fortschritt Natürlichkeit Toleranz
Freiheit Neugierde Treue
Nähe Sicherheit Großzügigkeit
Herausforderung Fröhlichkeit Objektivität
Nachhaltigkeit Optimismus Transparenz
Gesundheit Ordnung Bescheidenheit
Hilfsbereitschaft Verlässlichkeit Offenheit
Hoffnung Beliebtheit Authentizität
Humor Erfolg Ehrlichkeit

Die kleine Übung gelingt nun wie folgt: Schreiben Sie genau 20 Werte aus der u.g. Sammlung heraus. Schreiben Sie sie auf einem Blatt Papier untereinander auf. Danach geht es ans Priorisieren.

Nehmen Sie den 1. Wert auf Ihrer Liste und vergleichen Sie ihn mit dem 2. Begriff. Welcher ist wichtiger, bzw. zeichnet Sie eher aus? Wenn der 1. Wert besser passt, dann machen Sie einen Strich daneben. Dann machen Sie weiter und vergleichen Sie den 1. Wert mit dem 3. auf der Liste, dann den 1. Wert mit dem 4. usw. Wenn Sie alle Werte der Liste miteinander abgeglichen haben, dann starten Sie dieselbe Vorgehensweise ab dem 2. Wert und vergleichen Sie diesen mit den anderen 19 Werten. Am Ende der ca. 20-minütigen Übung haben Sie diverse Striche gemacht und können ablesen, welche Wertebegriffe die höchste Priorität von Ihnen erhalten haben.

Schreiben Sie die Top 3 Werte heraus und nehmen Sie sie die nächsten Tagen mit. Schauen Sie, ob Sie auch nach ein paar Tagen ein passendes und gutes Gefühl damit haben.

Mit dieser Erkenntnis werden Sie in den darauffolgenden Wochen und Monaten immer wieder feststellen und sich besser erklären können, weshalb Sie bestimmte Situationen als leicht und erfüllend und andere als besonders schwierig empfinden. Sie werden schneller herausfinden, in welchen Aufgaben und welchem Umfeld Sie besonders wirksam sein können.

Diese Erkenntnis kann auch im Coaching ein wirkungsvoller Ausgangspunkt sein. Sie möchten an Ihren Werten arbeiten, häufiger und konsequenter Ihre Handlungen daran ausrichten? Oder für Ihr Unternehmen oder Team ein gemeinsames Werteleitbild erarbeiten und danach leben?

Erst wer seine Werte kennt, kann Verhalten verstehen und in die gewünschte Richtung gehen.

Meine Quelle der Inspiration: www.einguterplan.de

Die Home Office Challenge – was ich gerade über mich und meine Kommunikationsfähigkeit lerne

Quelle: pexels

Von heute auf morgen ins 100%-Home Office geschickt werden – Viele Unternehmen und insbesondere Mitarbeiter waren hierauf nicht vorbereitet. Abseits von Ausnahmesituationen glänzt das Home Office mit Vorteilen wie der Vereinbarkeit von Familie und Beruf, mehr Autonomie oder mehr Fokuszeiten. Gerade letztere sind jedoch fraglich, wo jetzt oft auch Zuhause der Ausnahmezustand herrscht. Welche Auswirkungen hat social distancing auf unsere Psyche, wie können wir die Trennung von Arbeit und Freizeit auch Zuhause schaffen und wie gehen wir mit ständiger Erreichbarkeit um? Wie halten wir die Teamkommunikation aufrecht? Diesen dringenden Fragen wollen auch wir ein paar Antworten aus unserer Praxis beisteuern.

Welchen psychologischen Einfluss hat social distancing auf den Einzelnen?

Soziale Verbindungen zu pflegen ist ein wichtiges Bedürfnis des Menschen. Langfristig führt social distancing zur Isolation. Um eine soziale Isolation zumindest zu den Kollegen zu vermeiden, ist es wichtig, auch im Home Office den sozialen Austausch über digitale Kanäle zu pflegen. Der Kontakt zu Kollegen ist weiterhin wichtig, um auch das Gemeinschaftsgefühl aufrechtzuerhalten. Gleiches gilt übrigens für den Kontakt zu Freunden und Familie. Der Mensch ist ein Rudeltier, daher ist es auch für unser Wohlbefinden und unseren Antrieb wichtig, die Resonanz anderer Menschen zu erfahren.

Wie halten wir eine gute und gesunde Kommunikation im Job aufrecht?

Enorm wichtig ist in Zeiten von physischer Distanz vor allem, sich im Team abzustimmen und zurückmelden, welche Kommunikationsmethoden funktionieren, was gut läuft oder auch was verbessert werden muss.
 
Mitarbeiterkommunikation und Feedback sind jetzt besonders wichtig, da sich fast alle auf neue Methoden und Routinen umstellen müssen. Ganz pragmatisch: es kann helfen, auch darüber zu kommunizieren, welchen Plan man für den Tag hat, wann man erreichbar ist, was man gerade macht. Definieren Sie klare Prozesse. Über welches Tool kommunizieren Sie was?

Geben Sie sich gegenseitig Feedback über erledigte Aufgaben, stellen Sie sich gegenseitig Fragen wenn etwas unklar ist, und vor allem, schätzen Sie die Arbeit der anderen besonders in diesen Zeiten weiter wert: Jeder steht durch die Ausnahmesituation tagtäglich vor neuen Herausforderungen und freut sich über die Anerkennung seiner/ihrer Arbeit. 

Welche Themen lassen sich eigentlich im Chat besprechen und was geht nur persönlich?

Wenn der persönliche Kontakt fehlt, können schonmal schnell Missverständnisse aufkommen. Im Chat können Nachrichten untergehen oder es besteht eine Hürde, persönliche Fragen und Themen anzusprechen. Wenn es um dringend zu klärende Fragen geht, empfiehlt sich immer ein kurzes Telefonat. Hier hilft zusätzlich das Spiegeln, wo im Sinne des aktiven Zuhörens das Gesagte nochmal aufgegriffen und erläutert wird, wie es verstanden wurde. Für fachliche Absprachen empfehlen wir ohnehin feste Termine, damit beide Gesprächspartner Zeit haben, sich auszutauschen. Der Chat hilft in diesen Zeiten wiederum, Neuigkeiten und Arbeitsstände, Tagespläne etc. zu teilen.

Darf ich mich barfuß im Jogger vor die Videokonferenz hängen?

Wir selbst haben uns im Team schon dabei ertappt, dass man einiges an Schminke spart und nicht in schicker Bluse am Home-Office Schreibtisch sitzt. In den letzten Tagen gehörte eher der Jogger zum Outfit. Den Chef sieht man vielleicht nicht mehr in Anzug und mit Krawatte vor der Webcam, sondern im lässigen Pulli. Genau das war bisher die symbolische Trennung zwischen Arbeit und Freizeit: Heraus aus der Büro-/Arbeitskleidung, hinein in die Jogginghose.

Darf ich mich denn so lässig vor die Telco oder gar Videokonferenz hängen? Grundsätzlich dürfen Sie sich natürlich Zuhause kleiden, wie Sie wollen, die Frage ist nur, wie viel dies zu Ihrer Trennung von Arbeit und Freizeit beiträgt und ob dies aus beruflicher Sicht angemessen ist, beispielsweise wenn Sie eine Videokonferenz mit einem Kunden halten. Für das bessere Trennen von Arbeit und Privatem empfehlen wir daher, sich möglichst so anzuziehen, wie es zu ihrer beruflichen Rolle passt. Sie hatten vorher einen Business Knigge im Job? Dann macht es Sinn, diesen nicht völlig zu vernachlässigen.

Wie vermeide ich Störfaktoren im Home Office?

Für Eltern ist es in diesen Zeiten besonders schwer, Zuhause Fokuszeiten zu finden. Versuchen Sie wenn es Ihre Aufgaben ermöglichen, die Arbeitszeiten möglichst auf früh morgens und abends zu legen, oder auch auf den Mittagsschlaf der Kinder. So schaffen sie sowohl konzentrierte Arbeitsphasen, als auch Beschäftigungszeiten für die Kids. Weiterhin sollten grundsätzlich Störungen durch private Anrufe oder Gespräche vermieden werden. Versuchen Sie hier möglichst so zu handeln, wie Sie es auch im Büro tun würden. Auch hier zählt die Kommunikation: Klären Sie mit Ihrem Partner, Ihrer Familie, Mitbewohnern Ihre Arbeitszeiten. Eins scheint mir sicher: Kindergesänge im Hintergrund scheinen in diesen Tagen niemanden mehr wirklich zu stören, außer die Eltern selbst.

Von daher gilt: flexibel mit der Situation umgehen, einmal mehr darüber sprechen und darauf freuen, dass wir nach unserer Rückkehr in die Büros eine ganze Menge über das „Remote Arbeiten“ gelernt haben.

Personal- und Führungsarbeit steht über Nacht vor dem Umbruch

Quelle: pexels

Derzeit erleben wir aufgrund der gesundheitlichen Zwangsmaßnahmen im Privaten und im Job einen Wandel im Mindset. Personal- und Führungsarbeit werden über Nacht neugeschrieben, und die Achtsamkeit dafür scheint diesmal wirklich da. Wir erleben einen Kulturwandel, der gerade in der Personalarbeit neue Methoden und ein Umdenken erfordert.

Neue Gewohnheiten

Spannenenderweise kann man beobachten, dass der ganze Wirbel um das Corona Virus bei den Menschen bereits andere Verhaltensgewohnheiten auslöst. In Unternehmen entsteht einerseits ein neues Gemeinschaftsgefühl, das vor allem davon geprägt ist, gemeinsam durch Maßnahmen dem Virus vorzubeugen, andererseits lassen sich aber auch Veränderungen im Umgang beobachten, die eine körperliche Distanz zum Wohle aller kultivieren. So wird beispielsweise überwiegend auf das Händeschütteln oder Umarmen verzichtet, Treffen und persönliche Gespräche auf ein Minimum reduziert.

Menschen werden wieder achtsamer

Das Corona-Virus bringt für viele Menschen auch eine neue Form des Alltags mit sich. Gewissermaßen entschleunigt das Virus den Menschen. Nicht alle haben aufgrund ihres Berufs die Möglichkeit, im Home-Office zu arbeiten. Beschäftigte aus der Gastronomie, Produktion oder Freizeiteinrichtungen beispielsweise. Diese Gruppe von Beschäftigten ist oft wochenlangem Stress und Druck ausgesetzt. Wenn diese Menschen zwangsweise von heute auf morgen zuhause bleiben müssen, merken sie schnell, was es heißt, plötzlich nicht mehr im stressigen Job zu stecken und andere Dinge wieder wertzuschätzen. Auf sich selbst zu achten, sich zu besinnen, auch mal eine Pause zu machen. Finden wir durch den Ausnahmezustand wieder mehr zu uns selbst? Und wertschätzen wir möglicherweise wieder mehr, was wir an unseren Jobs sonst verfluchen?

Herausforderungen für Führungskräfte

In den Unternehmen stehen besonders Führungskräfte vor einer neuen Herausforderung. Werden Mitarbeiter als gesundheitliche Zwangsmaßnahme ins Home Office geschickt, fehlen der persönliche Kontakt zum Mitarbeiter, die Kontrolle und Sicherheit. Führungskräfte sind nun aufgefordert, Aufgaben zu delegieren, Vertrauen auf den Weg zu geben und Arbeitsprozesse zu verändern. Der eigene Führungsstil wird über Nacht auf die Probe gestellt. Wer bereits einen kooperativen und ergebnisorientierten Führungsstil pflegt, hat es in diesen Tagen leichter auf die Veränderungen zu reagieren.

Trotz der räumlichen Distanz zu ihren Mitarbeitern darf nicht vergessen werden, dass Führungskräfte weiterhin eine Motivations- und Entwicklungsaufgabe gegenüber ihrem Personal erfüllen müssen. Digitale Systeme und flexible Arbeitsmodelle sind die Gewinner der Stunde. Glücklicherweise haben schon viele Organisationen ein Umdenken angestoßen, aber die Umsetzung in der Praxis bedarf vernünftiger Tools und Methoden. So werden wir erleben, dass in den nächsten Wochen und Monaten ganz alltägliche Aufgaben wie unsere Kommunikation in Meetings und persönlichen Treffen noch stärker auf andere Medien übertragen wird.

Herausforderungen für Mitarbeiter

Auch für Mitarbeiter kann das Home Office eine Herausforderung sein, denn sie müssen eigenverantwortlich arbeiten, sich selbst organisieren können und ein hohes Maß an Eigenmotivation aufweisen. Nicht jeder Mensch begrüßt diese Arbeitsorganisation und braucht dann ebenfalls Unterstützung.
Hinzu kommt auch das Ausbleiben des sozialen Kontakts, womit ein wichtiges Bedürfnis des Menschen unbefriedigt bleibt. Ein weiteres Problem: Bin ich plötzlich 24 Stunden am Tag erreichbar oder halte ich Pausen- und Arbeitszeiten nicht ein, besteht die Gefahr der Überlastung. Es braucht also feste Rahmenbedingungen für den Mitarbeiter, um weiterhin eine geregelte Arbeitsroutine zu gewährleisten.

Fazit

Gerade in Krisenzeiten braucht es jemanden, der mit kühlem Kopf und passender Erfahrung eine Lösung anbietet. Dies können wir als erfahrene Personaler tun, wenn Führungskräfte und Mitarbeiter plötzlich vor neue Herausforderungen und einen Kulturwandel im täglichen Job gestellt werden. Ob als Berater oder zusätzlicher Helfer in der Umsetzung: mit FreshWorks können wir als flexible Personalabteilung bei den neu aufkommenden Fragen unterstützen. Sprechen Sie uns an.

Wie funktioniert eigentlich… Die Bewerberauswahl

Das Vorgehen im Bewerbungsgespräch hat sich in den letzten zehn Jahren (im Idealfall) grundlegend verändert. Als ich anfing, mich mit Personalarbeit zu beschäftigen, haben wir im Betrieb Wäschekörbe voller Bewerbungen erhalten. In den Büros türmten sich die Stapel an Papier mit Lebensläufen und Anschreiben, die in eine Reihenfolge gebracht werden mussten, um zu entscheiden, wer zuerst zum Interview eingeladen wurde.

Das Auswahlkriterium war die Abiturnote, die gewählten Leistungskurse oder der passende Ausbildungs-/Studienabschluss. Wer im Arbeitszeugnis nur eine zweifelhafte Bewertung vorweisen konnte wurde per se aussortiert. Heutzutage nicht mehr vorstellbar, wenn ich überlege, dass es bei manchen Stellensuchen nicht einmal mehr zwei Bewerber zur Auswahl gibt.

Bewerbungstests mangels Bewerber nicht mehr möglich

Schade dabei ist auch, dass es zum Beispiel nicht mehr möglich ist, so genannte Assessment Center durchzuführen. Dieses Format war beliebt, um die Bewerber alle an einem Tag kennenzulernen und anhand unterschiedlicher Aufgaben zu testen. Die Gruppe an Bewerbern durfte in Gruppendiskussionen, Rollenspielen, Einzelgesprächen oder schriftlichen Tests bestehen und (zugegebenermaßen) im Wettstreit mit einigen anderen Bewerbern um ihren Platz für das nächste Interview kämpfen.

Einige werden jetzt sagen, was für ein Quatsch, das begünstigt doch nur, dass die Lauten und Wettkämpfer sich profilieren. Doch das kann ich entkräften. Die Bewerber im Voraus umfangreicher kennenzulernen ist ein Muss. Und genau das kommt heutzutage oft zu kurz, da die Einstellung am besten schon „gestern“ erfolgt sein muss und die Interviewpartner mangels Bewerber-Alternativen oder auch mangels Qualifikation in Diagnostik eine schnelle Entscheidung zur Einstellung treffen. Ende vom Lied: es passt nicht.

Ich habe vor ein paar Jahren versucht, mal wieder ein Assessment Center durchzuführen. Es war aber unmöglich, diese Anzahl an passenden Bewerbern zusammen zu bekommen. In den meisten Betrieben beschränken wir uns heute auf ein oder maximal zwei Treffen, in dem der Arbeitgeber selbst für sich wirbt, damit der Bewerber überhaupt Lust hat, zum weiteren Gespräch zu kommen. Bewerbertests und Diagnostikverfahren werden meist vernachlässigt, da es bei der Bewerbersuche für gefragte Funktionen manchmal auf jede Stunde ankommt. Das Unternehmen, das hier nicht schnell genug zupackt und direkt ein Vertragsangebot macht, zieht den Kürzeren.

Die Realität des Personalers heißt daher Tempo, Tempo, Tempo. Schnelles Beantworten der Eingangsbewerbung ist ein Muss, regelmäßige Zwischenstände über den Status Quo der Bewerbung auch.

Wenn der Bewerber nicht unmittelbar vor meiner Haustür wohnt, greife ich zum Telefon und führe direkt ein sympathisches Telefoninterview (die Alternative wäre ein Stress-Interview, wofür Personalern oft noch ein entsprechender Ruf vorauseilt). Durchaus üblich sind auch Videointerviews. Als Personalabteilung erkläre ich dem Bewerber wer unsere Firma ist, was wir machen und versuche die Motivation für die Bewerbung herauszuhören. Gleichzeitig schaffe ich Neugierde beim Bewerber. Selbst wenn es mit diesem Bewerber am Ende nicht klappen sollte, dann dürfen wir nicht vergessen, wie heilig heutzutage ein gutes Personalmarketing ist. Der Bewerber hat Freunde, Bekannte, Familienmitglieder, die von seinem Gespräch und seinen Eindrücken erfahren werden.

Der Betrieb muss sich für den Bewerber als Mensch interessieren

Ist mein Eindruck gut und zu den Anforderungen der Position passend, dann lade ich den Bewerber zum persönlichen Gespräch ein. Hierfür habe ich in der Zwischenzeit mein eigenes kleines Assessment Center entwickelt. Im Berufsalltag kommt es immer mehr darauf an, dass Bewerber sozial kompetent sind, sich engagieren, proaktiv kommunizieren, sich gut in Teams verständigen können und selbstmotiviert sind.

Auf die fachlichen Eignungen (siehe Abiturnote) wird lange nicht mehr so viel Wert gelegt wie noch vor ein paar Jahren. Es ist auch davon auszugehen, dass Fachwissen bei Google zu finden, durch Training erlernbar ist und nicht mehr das unverwechselbare Kriterium bei vielen Einstellungen. Aus diesem Grund habe ich mir ausgedacht und angewöhnt, dass Bewerber eine kurze Präsentation beim ersten Zusammentreffen führen. Dabei stelle ich vorab die kurze Aufgabe, dass Bewerber sich in maximal 10 Minuten vorstellen, über ihre Person und ihre ganz persönliche Marke erzählen.

Als zukünftiger Arbeitgeber möchten wir gern wissen, wer Sie sind, was Sie ausmacht, und welche Talente Sie neben den Stationen im Lebenslauf für uns mitbringen“.

Gerade im Verkauf, im Einkauf oder in Führungspositionen ist diese Aufgabe nicht zu viel verlangt. Zumal die Art der Durchführung nicht vorgegeben wird. Aus diesem Grunde habe ich begeistert erlebt, dass Bewerber Podcasts produziert, persönliche Fotoalben gebastelt oder Lieder komponiert haben. Ich gebe zu, anfangs war ich zögerlich, da ich gute Bewerber mit dem verlangten Aufwand, den die Aufgabe mit sich bringt, nicht verprellen wollte. Die Bewerbungsgespräche, die dann folgten, zeigten das genaue Gegenteil: die Bewerber, die sich größtenteils umfangreich vorbereitet haben, bedankten sich für diese Aufgabe. Der Betrieb hat sich für sie als Mensch interessiert!

4 Impulse für deinen Jahreswechsel

Jahreswechsel haben etwas magisches, denn die Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr bringt meist eine besondere Besinnung und ein Nachdenken mit sich. Auch wenn die Tage vor dem Fest einen erhöhten Stresspegel auslösen und die Feiertage mit Kindern und Verwandtschaft strapaziös sein können (seit ein paar Jahren weiß ich selbst, dass Weihnachten als Mutter maßgeblich darin besteht, aufgeregte Kinder zu managen, Essen auf den Tisch zu zaubern und Geschenkpapierberge zu entsorgen). Trotzdem gibt es an den Tagen zwischen den Feiertagen weniger zu tun. Im Büro herrscht meist gähnende Leere, Ausgeh- und Veranstaltungsmöglichkeiten an den heiligen Feiertagen Fehlanzeige. Somit bleibt Raum zum Nachdenken, zum Reflektieren und zum Ziele formulieren für das neue Jahr. Der 31.12. ist ein Wendepunkt, ein Neuanfang, ein Frische-Kick und Abstreifen von Ballast.

Ich habe mich dieses Jahr verstärkt gefragt, weshalb dieser Prozess so gut tut und so wichtig ist und folgende 4 Impulse gefunden.

Schau zurück auf das, was du geschafft hast.

In den letzten 12 Monaten ist wahnsinnig viel passiert und zusammengekommen. Möglicherweise war es anstrengend und emotionale Ereignisse haben dich mitgenommen. Doch es gab immer auch wundersame Zufälle, Begegnungen, Erfolge und Entscheidungen, die dir geholfen haben oder wichtiger Grundstein für etwas Weiteres waren. Ich führe seit einiger Zeit ein Minuten-Tagebuch, mit dem ich die Alltagsmomente auch zwischendurch festhalten kann. Um so schöner ist es dann zum Jahresende, ein Resümee der vielen kleinen geschafften Schritte ziehen zu können. Jeder wird sich über sich selbst wundern und staunen können, was in 365 Tagen alles zusammenkommt. Ein echter Selbstbewusstseins-Boost.

Was und wer tat dir gut.

Behalte diese Dinge und Menschen in deinem Leben. Wir haben die verdammte Pflicht, dafür zu sorgen, dass es uns gut geht und wir unsere Entscheidungen daran ausrichten, was wir wirklich wollen. Wenn wir es nicht tun, tut es niemand mit dieser Dringlichkeit für uns. Daher überlege dir immer wieder, für was und wen du dankbar bist und was du in deinem Leben haben möchtest. Umgekehrt bedeutet dies natürlich auch, die Verantwortung dafür zu übernehmen, dich von Dingen zu trennen, die dich bei deiner Zielerreichung bremsen, die dir schlechte Energie zufügen oder Dir sogar schaden. Wir dürfen uns die Frage stellen, was uns gut tut, nein, wir müssen es sogar.

Was vermisst du noch in deinem Leben

Wen oder was wünscht du dir noch? Unerfüllte Wünsche oder Sehnsüchte hat jeder. Nicht umsonst brummt zum Jahreswechsel der Verkauf von Fitnessstudio-Mitgliedschaften und Ernährungsratgebern. Nicht umsonst werden neue berufliche Ziele gesteckt, Jobs verstärkt zur Jahreswende gewechselt oder wichtige Entscheidungen noch schnell im Dezember getroffen. Gut so, denn nur wer seine Ziele und Wünsche konkretisiert, kann sie auch erreichen. Dies heißt aber auch, dass ich mir die persönlichen Vorsätzen schnappen sollte, die ich auch ernsthaft erreichen möchte und an denen ich wirklich dranbleiben will. Die erfolgreiche Umsetzung kommt schon von ganz alleine, wenn der Wunsch wirklich dringend ist.

Was hast du dieses Jahr über dich gelernt.

Wir wollen wachsen und uns immer weiter entwickeln. Wir bilden uns weiter, lesen, studieren und lernen auch im hohen Alter noch neue Jobs. Vielleicht müssen wir es sogar, weil der Arbeits- und Lebenswandel es einfordert. Und gleichzeitig kann es ein wunderbares Gefühl sein, einfach nur für sich selbst etwas Neues erlernt zu haben. Was war dein besonderes Learning in 2019 und welche tiefen Wunsch nimmst Du mit für 2020?

Ich wünsche dir einen schönen Start und Frische-Kick ins neue Jahr!

Die Vorurteils-Falle bei der Personalauswahl

Viele haben die folgende Beispielsituation auf die eine oder andere Weise selbst schon mal erfahren: Ein junger Arzt möchte eine Diagnose erklären und muss hierfür zwei Mal in einem Buch nachschlagen, bevor er seine Erklärungen weiter ausführen kann. Na, ob der so kompetent ist?“, geht es einen dann vielleicht schon durch den Kopf: „Und ob die Diagnose auch wirklich auf mich zutrifft? Das werde ich besser noch mal mit dem Oberarzt besprechen. 

So wird sich eine eigene Meinung über eine Person gemacht. Und selbst, wenn die Diagnose des Arztes korrekt ist, wird die Skepsis ihm gegenüber zunächst bestehen bleiben. 

Nach Gordon W. Allport, welcher als Sozialpsychologe maßgeblich die Vorurteilsforschung geprägt hat, lautet die kürzeste aller Definitionen des Vorurteils: von anderen ohne ausreichende Begründung schlecht denken.“*

Auch Personaler haben ebenso mit eigenen Vorurteilen und Voreingenommenheit zu kämpfen. Ein gutes Beispiel ist hierfür in der Personalauswahl, die bereits in der Durchsicht der Bewerbungsunterlagen beginnt 

Ist ein Foto dabei wird innerhalb von Millisekunden bewertet, ob einem der Bewerber sympathisch ist oder nicht. Dieser Eindruck zieht sich dann durch die Bewerbung. Beispielsweise werden als attraktiv wahrgenommenen Bewerbern positive Eigenschaften wie Intelligenz und Kompetenz zugeordnet. In der Psychologie spricht wird dieses Phänomen als sogenannter Halo-Effekt bezeichnet. 

Es kann für einen Bewerber hilfreich sein, sich durch ein vorteilhaftes und professionelles Foto die Einladung zum Vorstellungsgespräch zu verschaffen 

Anders ist dieses Phänomen bei Fotos, in denen sich die Bewerber beispielsweise unvorteilhaft in Szene setzen. Hier kann es den umgekehrten, negativen Effekt haben und sich entsprechend schlecht auf die Entscheidung des Personalers auswirken. In den USA sind Fotos in der Bewerbung aufgrund von möglicherweise diskriminierender Voreingenommenheit deshalb verboten.   

Aber weshalb fällen wir so schnell ein Urteil über einen fremden Menschen? 

Die schnelle, unterbewusste Kategorisierung hilft dem Menschen, sein Gegenüber zu verstehen und mit diesem zu kommunizieren. Da dieses im Unterbewusstsein geschieht, bemerke ich meist gar nicht, dass ich längst entschieden habeob ich jemanden sympathisch oder unsympathisch finde, vertraue oder misstraue. Schwierig wird es, wenn dieses nicht nur eine Einschätzung, sondern auch eine Auf- und Abwertung mit sich zieht, wie im Beispiel mit dem Bewerbungsfoto. Denn das Foto gibt keine verlässliche Aussage darüber, ob der Bewerber kompetent ist oder in das Team passt. 

Welche Methoden und Best Practices können dabei helfen Vorurteile abzubauen und eine vorurteilsfreie Bewertung des Bewerbers vorzunehmen?  

Zunächst hilft es sich der Vorurteilsbildung bewusst zu werden, wovon sich fast niemand freisprechen kann. Im Beispiel sollte hinterfragt werden, warum eine bestimmte Vorauswahl der Bewerbungen vorgenommen wird. Hierfür bietet es sich an, die Profile der Bewerber unabhängig vom Foto und den weiteren Unterlagen zum Abgleich nebeneinander zu legen und erneut zu bewerten. Darüber hinaus kann es auch vorteilhaft sein, sich mit anderen Kollegen auszutauschen und so weitere Informationen einzuholen. 

Letztendlich ist die Bewerbervorauswahl immer dadurch geprägt, dass auf der Grundlage von nur wenigen Unterlagen eine Auswahl getroffen werden muss, welcher Bewerber in die nächste Runde kommt und wer nicht. Aber es lohnt sich, die eigenen Einschätzungen regelmäßig zu hinterfragen und vielleicht auch den Bewerbern eine Chance zu geben, die auf den ersten Blick nicht die perfekten Unterlagen geschickt haben. Und machen wir uns nichts vor: in Zeiten von mangelnden Fachkräften und schnell erstellten digitalen Bewerbungsunterlagen nimmt die Qualität der Bewerbungen leider erschreckend ab. Da schreckt auch das Selfie vor dem Badezimmerspiegel kaum noch einen Personalentscheider ab. 

Autorin: Marie Risse

Quellen:

*http://www.report-psychologie.de/thema-des-monats/archiv/artikel/raus-aus-den-vorurteilen-2015-11-23/

http://www.report-psychologie.de/fileadmin/user_upload/Thema_des_Monats/2015-11-12_Prof._Dr._Andreas_Zick_01.pdf

Routinen können so schön sein…

Der Mensch liebt Gewohnheiten. So kann es kein Zufall sein, dass Menschen innerhalb der Familie z.B. am Esstisch ihren immer gleichen Platz einnehmen, dass an Weihnachten ein Tannenbaum in das Wohnzimmer gestellt wird oder Menschen über Jahre hinweg immer an genau denselben Urlaubsort fahren. Offenbar überwiegt da ein Gefühl, das stärker ist als die Lust und Neugierde, etwas völlig Neues zu probieren.

Natürlich machen Gewohnheiten oder gar Traditionen auch in Organisationen keinen Halt. Gerade im Handwerk und produzierenden Gewerbe hält sich die Gewohnheit, freitags früh Feierabend zu machen. Auch im Handwerk sind Traditionen wie die Wanderjahre („auf der Walz sein“) noch immer lebendig. In Betrieben mit Kantine stelle ich bemerkenswerter Weise fest, dass Mitarbeiter häufig zu exakt gleichen Uhrzeiten ihre Mittagspause machen und auch hier setzt sich Tradition in Form ritualisierter Menüpläne fort: freitags gibt’s Currywurst mit Pommes.

Diese Verhaltensmuster scheinen im Alltag auf den ersten Blick hinderlich, wo doch Tempo und Flexibilität zunehmend stärker gefordert sind als Traditionalismus und Kontinuität. Und der Ausspruch „Weshalb müssen wir das ändern. Das haben wir doch immer schon so gemacht.“ löst bei vielen Machern heutzutage großes Unbehagen aus.

Es scheint nicht neu, dass heutige Anforderungen, die Fülle und Komplexität der Aufgaben viele Menschen überfordert oder stresst. Wenn ich meine Aufgaben im Laufe des Tages nicht vom Tisch bekomme, notgedrungen immer weiter aufschieben muss und weiß, dass täglich Neues hinzukommt, werde ich nervös, auch mal gereizt. Irgendwann verliere ich den Überblick.

Viele von uns leben jahrelang in diesem Zustand, den Tisch niemals leer zu bekommen, immer drückt eine Aufgabe im Hinterkopf. Selbst die belastbarsten Gemüter verlieren irgendwann die Lust. Nicht selten höre ich dann Sätze wie: „Ich könnte mir vorstellen, jetzt einfach mal eine Auszeit zu nehmen. 3 Monate mal gar nichts machen“. Oder: „Was wäre, wenn ich meinen Job jetzt einfach kündige. Und dann mache ich ein Café oder einen kleinen Käseladen auf.“ Da schwingt einfach die Sehnsucht mit: Lasst mich alle mal in Ruhe. Ich befinde mich gerade im Chaos, das ich nicht mehr bewältigen kann.

Im Sinne der Unternehmen liegt es auf der Hand, den Mitarbeitern dabei zu helfen, diese Fähigkeit wieder zu stärken. Die eigenen Aufgaben im Griff zu haben bedeutet nicht nur, dass brauchbare Ergebnisse produziert werden, sondern lässt Mitarbeiter mit einem zufriedenen Gefühl in den Feierabend gehe.

Ein gegenwärtiger Trend in unserer Gesellschaft ist Mindfulness (Achtsamkeit). Die Rückbesinnung auf die Langsamkeit und Bewusstheit, mit der wir uns und die Welt um uns erleben. Tausende von Trainern bieten (zumeist in Yogaschulen, zunehmend aber auch in Unternehmen) dieses neue Kursformat an.

Eine wichtige und ganz praktische Aufgabe für Unternehmen ist die Berücksichtigung von Arbeitsmethoden, und noch wichtiger: einheitliche Arbeitsmethoden. Trotz oder gerade aufgrund der großen Freiheit und Flexibilität beim Arbeiten braucht es eine einheitliche Sprache zur Abstimmung, die alle verstehen. Agiles Projektmanagement ist bis dato für Viele nur mit der IT verknüpft. Der klassische Arbeitsalltag einer Sachbearbeiterin oder Teamassistenz kann in meinen Augen genauso davon profitieren. Da werden keine gelben Zettel mehr auf Schreibtische geklebt oder Schreibtischunterlagen vollgekritzelt, sondern Aufgaben in einer elektronischen Task Liste sortiert, mit dem Email-Programm, mit Erinnerungen und Aufgabenzuweisungen verknüpft.

Die aktuell spannendste Routine ist in meinen Augen aber die Pause! Ein wertvolles und stark vernachlässigtes Ritual. Auch ich selbst ertappe mich dabei, am Schreibtisch hastig etwas zu verschlingen und bei Termindruck wie eine Irre durchzuarbeiten. Dabei weiß ich ganz genau, wie wohltuend meine Pause ist. Ein Gespräch mit den Kollegen aktiviert und ermutigt mich, mein Essen stärkt mich, ein bisschen Sauerstoff oder Schlaf macht mich fit für die 2. Runde. Und wen ich mal ganz krass bin, gehe ich eine Stunde zum Sport. Routinen können ja so schön sein.

Was wir wollen – die 7 Wünsche zur beruflichen Zufriedenheit Teil 7

7. Der Wunsch nach persönlicher Reife

Bedingt durch den Wunsch oder die Tatsache enormer Geschwindigkeiten und Halbwertzeiten von Wissen wird der Erlangung von Fachkompetenzen immer weniger Wert beigemessen. Schule, Ausbildung und Studium besteht zwar hauptsächlich aus dem Erlernen von Fachwissen, aber schon nach ein paar Jahren ist genau dieses Wissen, das uns noch für das Abitur oder den Master qualifiziert hat, völlig überholt. Wir lernen ununterbrochen, wir müssen uns sogar ständig weiterbilden, um nicht abgehängt zu werden.

Im Umkehrschluss kommt der Ausreifung von sozialen Fähigkeiten eine immer größere Bedeutung zu. Wir finden Büchertitel zum Thema Emotionale, Soziale oder Professionelle Intelligenz. Alle diese Untersuchungen vereint, dass berufliche Kompetenzen immer mehr aus den „weichen Fähigkeiten“ oder Soft Skills gespeist werden statt sich an harten Fakten und Abschussnoten zu orientieren.
Unternehmen stellen in der Konsequenz (und auch als mögliche Lösung auf den Fachkräftemangel) ihre Anforderungsprofile um und suchen nach Persönlichkeiten an Stelle von Fachexperten und Abschlusszeugnissen.

Wer langfristig und erfolgreich bestehen möchte, bringt als Bewerber seine Stärken im Bereich Teamfähigkeit, Kommunikationsvermögen, unternehmerischem Denken, Selbstverantwortung und Resilienz mit.

Ein besonderer Wunsch und Ziel von Unternehmen und Mitarbeitern selbst ist hierbei die Erlangung immer größerer Reife in persönlichen und methodischen Kompetenzen, um auf zukünftige Veränderungen schnell und flexibel reagieren zu können.

Was wir wollen – die 7 Wünsche zur beruflichen Zufriedenheit Teil 6

6. Der Wunsch nach Freundschaft

Menschen sind „Rudeltiere“ und soziale Wesen. Damit ist klar, dass Isolierung und Einsamkeit die größte Strafe für Viele darstellen kann. Menschen sind im beruflichen Umfeld ja nicht grundlegend anders, sie verhalten sich allenfalls anders, weil sie sich einer formalen und professionellen Rolle fügen. Aber das Grundbedürfnis an Austausch und Kommunikation bleibt für den einzelnen Menschen gleich. Von daher ist es ein großer Wunsch (der auch im Bewerbungsgespräch häufig geäußert wird), dass das Team umgänglich, hilfsbereit und sympathisch ist.

Wenn die Arbeitskollegen sich untereinander mögen, respektieren und offen miteinander umgehen können, werden sie vermutlich gern ihrer Arbeit nachgehen. Ein gutes Miteinander stärkt Organisationen und prägt maßgeblich das Werte- und Kultursystem, das auch neue Mitarbeiter anzieht und einen leichteren Einstieg ermöglicht.

Freundschaften sollen und dürfen möglich sein, auch am Arbeitsplatz. Ich kenne zahlreiche Beispiele aus Unternehmen, in denen genau diese enge persönliche Vernetzung nicht gewollt oder nicht gern gesehen wird. Man könnte sich im privaten Umfeld ja über berufliche interne Angelegenheiten austauschen. Doch genau das sollten Unternehmen anerkennen und wertschätzen. Mitarbeiter, die über ihren Arbeitgeber auch im privaten Kontext berichten, sind Markenbotschafter für ihre Firmen. Und Mitarbeiter, die neue Kollegen für das Unternehmen empfehlen, versprechen exzellente Neueinstellungen. Denn empfohlene Mitarbeiter sind meist die Menschen, für die man die Hand ins Feuer legen würde. Zudem sind die neuen Mitarbeiter bereits gut über das Unternehmen informiert und werden durch die vorhandene Bekanntschaft noch schneller integriert.