Wie funktioniert eigentlich… Die Bewerberauswahl

Das Vorgehen im Bewerbungsgespräch hat sich in den letzten zehn Jahren (im Idealfall) grundlegend verändert. Als ich anfing, mich mit Personalarbeit zu beschäftigen, haben wir im Betrieb Wäschekörbe voller Bewerbungen erhalten. In den Büros türmten sich die Stapel an Papier mit Lebensläufen und Anschreiben, die in eine Reihenfolge gebracht werden mussten, um zu entscheiden, wer zuerst zum Interview eingeladen wurde.

Das Auswahlkriterium war die Abiturnote, die gewählten Leistungskurse oder der passende Ausbildungs-/Studienabschluss. Wer im Arbeitszeugnis nur eine zweifelhafte Bewertung vorweisen konnte wurde per se aussortiert. Heutzutage nicht mehr vorstellbar, wenn ich überlege, dass es bei manchen Stellensuchen nicht einmal mehr zwei Bewerber zur Auswahl gibt.

Bewerbungstests mangels Bewerber nicht mehr möglich

Schade dabei ist auch, dass es zum Beispiel nicht mehr möglich ist, so genannte Assessment Center durchzuführen. Dieses Format war beliebt, um die Bewerber alle an einem Tag kennenzulernen und anhand unterschiedlicher Aufgaben zu testen. Die Gruppe an Bewerbern durfte in Gruppendiskussionen, Rollenspielen, Einzelgesprächen oder schriftlichen Tests bestehen und (zugegebenermaßen) im Wettstreit mit einigen anderen Bewerbern um ihren Platz für das nächste Interview kämpfen.

Einige werden jetzt sagen, was für ein Quatsch, das begünstigt doch nur, dass die Lauten und Wettkämpfer sich profilieren. Doch das kann ich entkräften. Die Bewerber im Voraus umfangreicher kennenzulernen ist ein Muss. Und genau das kommt heutzutage oft zu kurz, da die Einstellung am besten schon „gestern“ erfolgt sein muss und die Interviewpartner mangels Bewerber-Alternativen oder auch mangels Qualifikation in Diagnostik eine schnelle Entscheidung zur Einstellung treffen. Ende vom Lied: es passt nicht.

Ich habe vor ein paar Jahren versucht, mal wieder ein Assessment Center durchzuführen. Es war aber unmöglich, diese Anzahl an passenden Bewerbern zusammen zu bekommen. In den meisten Betrieben beschränken wir uns heute auf ein oder maximal zwei Treffen, in dem der Arbeitgeber selbst für sich wirbt, damit der Bewerber überhaupt Lust hat, zum weiteren Gespräch zu kommen. Bewerbertests und Diagnostikverfahren werden meist vernachlässigt, da es bei der Bewerbersuche für gefragte Funktionen manchmal auf jede Stunde ankommt. Das Unternehmen, das hier nicht schnell genug zupackt und direkt ein Vertragsangebot macht, zieht den Kürzeren.

Die Realität des Personalers heißt daher Tempo, Tempo, Tempo. Schnelles Beantworten der Eingangsbewerbung ist ein Muss, regelmäßige Zwischenstände über den Status Quo der Bewerbung auch.

Wenn der Bewerber nicht unmittelbar vor meiner Haustür wohnt, greife ich zum Telefon und führe direkt ein sympathisches Telefoninterview (die Alternative wäre ein Stress-Interview, wofür Personalern oft noch ein entsprechender Ruf vorauseilt). Durchaus üblich sind auch Videointerviews. Als Personalabteilung erkläre ich dem Bewerber wer unsere Firma ist, was wir machen und versuche die Motivation für die Bewerbung herauszuhören. Gleichzeitig schaffe ich Neugierde beim Bewerber. Selbst wenn es mit diesem Bewerber am Ende nicht klappen sollte, dann dürfen wir nicht vergessen, wie heilig heutzutage ein gutes Personalmarketing ist. Der Bewerber hat Freunde, Bekannte, Familienmitglieder, die von seinem Gespräch und seinen Eindrücken erfahren werden.

Der Betrieb muss sich für den Bewerber als Mensch interessieren

Ist mein Eindruck gut und zu den Anforderungen der Position passend, dann lade ich den Bewerber zum persönlichen Gespräch ein. Hierfür habe ich in der Zwischenzeit mein eigenes kleines Assessment Center entwickelt. Im Berufsalltag kommt es immer mehr darauf an, dass Bewerber sozial kompetent sind, sich engagieren, proaktiv kommunizieren, sich gut in Teams verständigen können und selbstmotiviert sind.

Auf die fachlichen Eignungen (siehe Abiturnote) wird lange nicht mehr so viel Wert gelegt wie noch vor ein paar Jahren. Es ist auch davon auszugehen, dass Fachwissen bei Google zu finden, durch Training erlernbar ist und nicht mehr das unverwechselbare Kriterium bei vielen Einstellungen. Aus diesem Grund habe ich mir ausgedacht und angewöhnt, dass Bewerber eine kurze Präsentation beim ersten Zusammentreffen führen. Dabei stelle ich vorab die kurze Aufgabe, dass Bewerber sich in maximal 10 Minuten vorstellen, über ihre Person und ihre ganz persönliche Marke erzählen.

Als zukünftiger Arbeitgeber möchten wir gern wissen, wer Sie sind, was Sie ausmacht, und welche Talente Sie neben den Stationen im Lebenslauf für uns mitbringen“.

Gerade im Verkauf, im Einkauf oder in Führungspositionen ist diese Aufgabe nicht zu viel verlangt. Zumal die Art der Durchführung nicht vorgegeben wird. Aus diesem Grunde habe ich begeistert erlebt, dass Bewerber Podcasts produziert, persönliche Fotoalben gebastelt oder Lieder komponiert haben. Ich gebe zu, anfangs war ich zögerlich, da ich gute Bewerber mit dem verlangten Aufwand, den die Aufgabe mit sich bringt, nicht verprellen wollte. Die Bewerbungsgespräche, die dann folgten, zeigten das genaue Gegenteil: die Bewerber, die sich größtenteils umfangreich vorbereitet haben, bedankten sich für diese Aufgabe. Der Betrieb hat sich für sie als Mensch interessiert!

4 Impulse für deinen Jahreswechsel

Jahreswechsel haben etwas magisches, denn die Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr bringt meist eine besondere Besinnung und ein Nachdenken mit sich. Auch wenn die Tage vor dem Fest einen erhöhten Stresspegel auslösen und die Feiertage mit Kindern und Verwandtschaft strapaziös sein können (seit ein paar Jahren weiß ich selbst, dass Weihnachten als Mutter maßgeblich darin besteht, aufgeregte Kinder zu managen, Essen auf den Tisch zu zaubern und Geschenkpapierberge zu entsorgen). Trotzdem gibt es an den Tagen zwischen den Feiertagen weniger zu tun. Im Büro herrscht meist gähnende Leere, Ausgeh- und Veranstaltungsmöglichkeiten an den heiligen Feiertagen Fehlanzeige. Somit bleibt Raum zum Nachdenken, zum Reflektieren und zum Ziele formulieren für das neue Jahr. Der 31.12. ist ein Wendepunkt, ein Neuanfang, ein Frische-Kick und Abstreifen von Ballast.

Ich habe mich dieses Jahr verstärkt gefragt, weshalb dieser Prozess so gut tut und so wichtig ist und folgende 4 Impulse gefunden.

Schau zurück auf das, was du geschafft hast.

In den letzten 12 Monaten ist wahnsinnig viel passiert und zusammengekommen. Möglicherweise war es anstrengend und emotionale Ereignisse haben dich mitgenommen. Doch es gab immer auch wundersame Zufälle, Begegnungen, Erfolge und Entscheidungen, die dir geholfen haben oder wichtiger Grundstein für etwas Weiteres waren. Ich führe seit einiger Zeit ein Minuten-Tagebuch, mit dem ich die Alltagsmomente auch zwischendurch festhalten kann. Um so schöner ist es dann zum Jahresende, ein Resümee der vielen kleinen geschafften Schritte ziehen zu können. Jeder wird sich über sich selbst wundern und staunen können, was in 365 Tagen alles zusammenkommt. Ein echter Selbstbewusstseins-Boost.

Was und wer tat dir gut.

Behalte diese Dinge und Menschen in deinem Leben. Wir haben die verdammte Pflicht, dafür zu sorgen, dass es uns gut geht und wir unsere Entscheidungen daran ausrichten, was wir wirklich wollen. Wenn wir es nicht tun, tut es niemand mit dieser Dringlichkeit für uns. Daher überlege dir immer wieder, für was und wen du dankbar bist und was du in deinem Leben haben möchtest. Umgekehrt bedeutet dies natürlich auch, die Verantwortung dafür zu übernehmen, dich von Dingen zu trennen, die dich bei deiner Zielerreichung bremsen, die dir schlechte Energie zufügen oder Dir sogar schaden. Wir dürfen uns die Frage stellen, was uns gut tut, nein, wir müssen es sogar.

Was vermisst du noch in deinem Leben

Wen oder was wünscht du dir noch? Unerfüllte Wünsche oder Sehnsüchte hat jeder. Nicht umsonst brummt zum Jahreswechsel der Verkauf von Fitnessstudio-Mitgliedschaften und Ernährungsratgebern. Nicht umsonst werden neue berufliche Ziele gesteckt, Jobs verstärkt zur Jahreswende gewechselt oder wichtige Entscheidungen noch schnell im Dezember getroffen. Gut so, denn nur wer seine Ziele und Wünsche konkretisiert, kann sie auch erreichen. Dies heißt aber auch, dass ich mir die persönlichen Vorsätzen schnappen sollte, die ich auch ernsthaft erreichen möchte und an denen ich wirklich dranbleiben will. Die erfolgreiche Umsetzung kommt schon von ganz alleine, wenn der Wunsch wirklich dringend ist.

Was hast du dieses Jahr über dich gelernt.

Wir wollen wachsen und uns immer weiter entwickeln. Wir bilden uns weiter, lesen, studieren und lernen auch im hohen Alter noch neue Jobs. Vielleicht müssen wir es sogar, weil der Arbeits- und Lebenswandel es einfordert. Und gleichzeitig kann es ein wunderbares Gefühl sein, einfach nur für sich selbst etwas Neues erlernt zu haben. Was war dein besonderes Learning in 2019 und welche tiefen Wunsch nimmst Du mit für 2020?

Ich wünsche dir einen schönen Start und Frische-Kick ins neue Jahr!

Die Vorurteils-Falle bei der Personalauswahl

Viele haben die folgende Beispielsituation auf die eine oder andere Weise selbst schon mal erfahren: Ein junger Arzt möchte eine Diagnose erklären und muss hierfür zwei Mal in einem Buch nachschlagen, bevor er seine Erklärungen weiter ausführen kann. Na, ob der so kompetent ist?“, geht es einen dann vielleicht schon durch den Kopf: „Und ob die Diagnose auch wirklich auf mich zutrifft? Das werde ich besser noch mal mit dem Oberarzt besprechen. 

So wird sich eine eigene Meinung über eine Person gemacht. Und selbst, wenn die Diagnose des Arztes korrekt ist, wird die Skepsis ihm gegenüber zunächst bestehen bleiben. 

Nach Gordon W. Allport, welcher als Sozialpsychologe maßgeblich die Vorurteilsforschung geprägt hat, lautet die kürzeste aller Definitionen des Vorurteils: von anderen ohne ausreichende Begründung schlecht denken.“*

Auch Personaler haben ebenso mit eigenen Vorurteilen und Voreingenommenheit zu kämpfen. Ein gutes Beispiel ist hierfür in der Personalauswahl, die bereits in der Durchsicht der Bewerbungsunterlagen beginnt 

Ist ein Foto dabei wird innerhalb von Millisekunden bewertet, ob einem der Bewerber sympathisch ist oder nicht. Dieser Eindruck zieht sich dann durch die Bewerbung. Beispielsweise werden als attraktiv wahrgenommenen Bewerbern positive Eigenschaften wie Intelligenz und Kompetenz zugeordnet. In der Psychologie spricht wird dieses Phänomen als sogenannter Halo-Effekt bezeichnet. 

Es kann für einen Bewerber hilfreich sein, sich durch ein vorteilhaftes und professionelles Foto die Einladung zum Vorstellungsgespräch zu verschaffen 

Anders ist dieses Phänomen bei Fotos, in denen sich die Bewerber beispielsweise unvorteilhaft in Szene setzen. Hier kann es den umgekehrten, negativen Effekt haben und sich entsprechend schlecht auf die Entscheidung des Personalers auswirken. In den USA sind Fotos in der Bewerbung aufgrund von möglicherweise diskriminierender Voreingenommenheit deshalb verboten.   

Aber weshalb fällen wir so schnell ein Urteil über einen fremden Menschen? 

Die schnelle, unterbewusste Kategorisierung hilft dem Menschen, sein Gegenüber zu verstehen und mit diesem zu kommunizieren. Da dieses im Unterbewusstsein geschieht, bemerke ich meist gar nicht, dass ich längst entschieden habeob ich jemanden sympathisch oder unsympathisch finde, vertraue oder misstraue. Schwierig wird es, wenn dieses nicht nur eine Einschätzung, sondern auch eine Auf- und Abwertung mit sich zieht, wie im Beispiel mit dem Bewerbungsfoto. Denn das Foto gibt keine verlässliche Aussage darüber, ob der Bewerber kompetent ist oder in das Team passt. 

Welche Methoden und Best Practices können dabei helfen Vorurteile abzubauen und eine vorurteilsfreie Bewertung des Bewerbers vorzunehmen?  

Zunächst hilft es sich der Vorurteilsbildung bewusst zu werden, wovon sich fast niemand freisprechen kann. Im Beispiel sollte hinterfragt werden, warum eine bestimmte Vorauswahl der Bewerbungen vorgenommen wird. Hierfür bietet es sich an, die Profile der Bewerber unabhängig vom Foto und den weiteren Unterlagen zum Abgleich nebeneinander zu legen und erneut zu bewerten. Darüber hinaus kann es auch vorteilhaft sein, sich mit anderen Kollegen auszutauschen und so weitere Informationen einzuholen. 

Letztendlich ist die Bewerbervorauswahl immer dadurch geprägt, dass auf der Grundlage von nur wenigen Unterlagen eine Auswahl getroffen werden muss, welcher Bewerber in die nächste Runde kommt und wer nicht. Aber es lohnt sich, die eigenen Einschätzungen regelmäßig zu hinterfragen und vielleicht auch den Bewerbern eine Chance zu geben, die auf den ersten Blick nicht die perfekten Unterlagen geschickt haben. Und machen wir uns nichts vor: in Zeiten von mangelnden Fachkräften und schnell erstellten digitalen Bewerbungsunterlagen nimmt die Qualität der Bewerbungen leider erschreckend ab. Da schreckt auch das Selfie vor dem Badezimmerspiegel kaum noch einen Personalentscheider ab. 

Autorin: Marie Risse

Quellen:

*http://www.report-psychologie.de/thema-des-monats/archiv/artikel/raus-aus-den-vorurteilen-2015-11-23/

http://www.report-psychologie.de/fileadmin/user_upload/Thema_des_Monats/2015-11-12_Prof._Dr._Andreas_Zick_01.pdf

Routinen können so schön sein…

Der Mensch liebt Gewohnheiten. So kann es kein Zufall sein, dass Menschen innerhalb der Familie z.B. am Esstisch ihren immer gleichen Platz einnehmen, dass an Weihnachten ein Tannenbaum in das Wohnzimmer gestellt wird oder Menschen über Jahre hinweg immer an genau denselben Urlaubsort fahren. Offenbar überwiegt da ein Gefühl, das stärker ist als die Lust und Neugierde, etwas völlig Neues zu probieren.

Natürlich machen Gewohnheiten oder gar Traditionen auch in Organisationen keinen Halt. Gerade im Handwerk und produzierenden Gewerbe hält sich die Gewohnheit, freitags früh Feierabend zu machen. Auch im Handwerk sind Traditionen wie die Wanderjahre („auf der Walz sein“) noch immer lebendig. In Betrieben mit Kantine stelle ich bemerkenswerter Weise fest, dass Mitarbeiter häufig zu exakt gleichen Uhrzeiten ihre Mittagspause machen und auch hier setzt sich Tradition in Form ritualisierter Menüpläne fort: freitags gibt’s Currywurst mit Pommes.

Diese Verhaltensmuster scheinen im Alltag auf den ersten Blick hinderlich, wo doch Tempo und Flexibilität zunehmend stärker gefordert sind als Traditionalismus und Kontinuität. Und der Ausspruch „Weshalb müssen wir das ändern. Das haben wir doch immer schon so gemacht.“ löst bei vielen Machern heutzutage großes Unbehagen aus.

Es scheint nicht neu, dass heutige Anforderungen, die Fülle und Komplexität der Aufgaben viele Menschen überfordert oder stresst. Wenn ich meine Aufgaben im Laufe des Tages nicht vom Tisch bekomme, notgedrungen immer weiter aufschieben muss und weiß, dass täglich Neues hinzukommt, werde ich nervös, auch mal gereizt. Irgendwann verliere ich den Überblick.

Viele von uns leben jahrelang in diesem Zustand, den Tisch niemals leer zu bekommen, immer drückt eine Aufgabe im Hinterkopf. Selbst die belastbarsten Gemüter verlieren irgendwann die Lust. Nicht selten höre ich dann Sätze wie: „Ich könnte mir vorstellen, jetzt einfach mal eine Auszeit zu nehmen. 3 Monate mal gar nichts machen“. Oder: „Was wäre, wenn ich meinen Job jetzt einfach kündige. Und dann mache ich ein Café oder einen kleinen Käseladen auf.“ Da schwingt einfach die Sehnsucht mit: Lasst mich alle mal in Ruhe. Ich befinde mich gerade im Chaos, das ich nicht mehr bewältigen kann.

Im Sinne der Unternehmen liegt es auf der Hand, den Mitarbeitern dabei zu helfen, diese Fähigkeit wieder zu stärken. Die eigenen Aufgaben im Griff zu haben bedeutet nicht nur, dass brauchbare Ergebnisse produziert werden, sondern lässt Mitarbeiter mit einem zufriedenen Gefühl in den Feierabend gehe.

Ein gegenwärtiger Trend in unserer Gesellschaft ist Mindfulness (Achtsamkeit). Die Rückbesinnung auf die Langsamkeit und Bewusstheit, mit der wir uns und die Welt um uns erleben. Tausende von Trainern bieten (zumeist in Yogaschulen, zunehmend aber auch in Unternehmen) dieses neue Kursformat an.

Eine wichtige und ganz praktische Aufgabe für Unternehmen ist die Berücksichtigung von Arbeitsmethoden, und noch wichtiger: einheitliche Arbeitsmethoden. Trotz oder gerade aufgrund der großen Freiheit und Flexibilität beim Arbeiten braucht es eine einheitliche Sprache zur Abstimmung, die alle verstehen. Agiles Projektmanagement ist bis dato für Viele nur mit der IT verknüpft. Der klassische Arbeitsalltag einer Sachbearbeiterin oder Teamassistenz kann in meinen Augen genauso davon profitieren. Da werden keine gelben Zettel mehr auf Schreibtische geklebt oder Schreibtischunterlagen vollgekritzelt, sondern Aufgaben in einer elektronischen Task Liste sortiert, mit dem Email-Programm, mit Erinnerungen und Aufgabenzuweisungen verknüpft.

Die aktuell spannendste Routine ist in meinen Augen aber die Pause! Ein wertvolles und stark vernachlässigtes Ritual. Auch ich selbst ertappe mich dabei, am Schreibtisch hastig etwas zu verschlingen und bei Termindruck wie eine Irre durchzuarbeiten. Dabei weiß ich ganz genau, wie wohltuend meine Pause ist. Ein Gespräch mit den Kollegen aktiviert und ermutigt mich, mein Essen stärkt mich, ein bisschen Sauerstoff oder Schlaf macht mich fit für die 2. Runde. Und wen ich mal ganz krass bin, gehe ich eine Stunde zum Sport. Routinen können ja so schön sein.

Was wir wollen – die 7 Wünsche zur beruflichen Zufriedenheit Teil 7

7. Der Wunsch nach persönlicher Reife

Bedingt durch den Wunsch oder die Tatsache enormer Geschwindigkeiten und Halbwertzeiten von Wissen wird der Erlangung von Fachkompetenzen immer weniger Wert beigemessen. Schule, Ausbildung und Studium besteht zwar hauptsächlich aus dem Erlernen von Fachwissen, aber schon nach ein paar Jahren ist genau dieses Wissen, das uns noch für das Abitur oder den Master qualifiziert hat, völlig überholt. Wir lernen ununterbrochen, wir müssen uns sogar ständig weiterbilden, um nicht abgehängt zu werden.

Im Umkehrschluss kommt der Ausreifung von sozialen Fähigkeiten eine immer größere Bedeutung zu. Wir finden Büchertitel zum Thema Emotionale, Soziale oder Professionelle Intelligenz. Alle diese Untersuchungen vereint, dass berufliche Kompetenzen immer mehr aus den „weichen Fähigkeiten“ oder Soft Skills gespeist werden statt sich an harten Fakten und Abschussnoten zu orientieren.
Unternehmen stellen in der Konsequenz (und auch als mögliche Lösung auf den Fachkräftemangel) ihre Anforderungsprofile um und suchen nach Persönlichkeiten an Stelle von Fachexperten und Abschlusszeugnissen.

Wer langfristig und erfolgreich bestehen möchte, bringt als Bewerber seine Stärken im Bereich Teamfähigkeit, Kommunikationsvermögen, unternehmerischem Denken, Selbstverantwortung und Resilienz mit.

Ein besonderer Wunsch und Ziel von Unternehmen und Mitarbeitern selbst ist hierbei die Erlangung immer größerer Reife in persönlichen und methodischen Kompetenzen, um auf zukünftige Veränderungen schnell und flexibel reagieren zu können.

Was wir wollen – die 7 Wünsche zur beruflichen Zufriedenheit Teil 6

6. Der Wunsch nach Freundschaft

Menschen sind „Rudeltiere“ und soziale Wesen. Damit ist klar, dass Isolierung und Einsamkeit die größte Strafe für Viele darstellen kann. Menschen sind im beruflichen Umfeld ja nicht grundlegend anders, sie verhalten sich allenfalls anders, weil sie sich einer formalen und professionellen Rolle fügen. Aber das Grundbedürfnis an Austausch und Kommunikation bleibt für den einzelnen Menschen gleich. Von daher ist es ein großer Wunsch (der auch im Bewerbungsgespräch häufig geäußert wird), dass das Team umgänglich, hilfsbereit und sympathisch ist.

Wenn die Arbeitskollegen sich untereinander mögen, respektieren und offen miteinander umgehen können, werden sie vermutlich gern ihrer Arbeit nachgehen. Ein gutes Miteinander stärkt Organisationen und prägt maßgeblich das Werte- und Kultursystem, das auch neue Mitarbeiter anzieht und einen leichteren Einstieg ermöglicht.

Freundschaften sollen und dürfen möglich sein, auch am Arbeitsplatz. Ich kenne zahlreiche Beispiele aus Unternehmen, in denen genau diese enge persönliche Vernetzung nicht gewollt oder nicht gern gesehen wird. Man könnte sich im privaten Umfeld ja über berufliche interne Angelegenheiten austauschen. Doch genau das sollten Unternehmen anerkennen und wertschätzen. Mitarbeiter, die über ihren Arbeitgeber auch im privaten Kontext berichten, sind Markenbotschafter für ihre Firmen. Und Mitarbeiter, die neue Kollegen für das Unternehmen empfehlen, versprechen exzellente Neueinstellungen. Denn empfohlene Mitarbeiter sind meist die Menschen, für die man die Hand ins Feuer legen würde. Zudem sind die neuen Mitarbeiter bereits gut über das Unternehmen informiert und werden durch die vorhandene Bekanntschaft noch schneller integriert.

Was wir wollen – die 7 Wünsche zur beruflichen Zufriedenheit Teil 5

5. Der Wunsch nach Sinnstiftung

„Was habe ich davon“ ist die Frage, die Menschen sich bei ihrem Tun und Handeln immer wieder beantworten möchten. Ob die Wahl des Urlaubsziels, die Auswahl bestimmter Dinge beim Einkaufen oder die Frage nach unseren Aufgaben im Berufsleben. Immer wieder versuchen wir uns naturgemäß die Frage nach dem höheren Sinn zu beantworten. Wofür tue ich das alles, für wen tue ich das, was springt für mich dabei heraus usw.?

Arbeit passiert nicht zum Selbstzweck, sondern bestimmte Bedingungen leiten unser Handeln.
Häufige Bedingung einer Arbeit nachzugehen, mag das Geld sein. Das ist unbestritten auch ein existenzieller Grund. Vielmehr geht es bei der Sinnfrage aber um das Auslösen positiver Emotionen in unserem Gehirn, wenn wir uns für eine Sache begeistern können. Diese Begeisterung entsteht am ehesten durch das Verständnis und die anschließende Leidenschaft und Identifikation mit einer Sache.

Ein interessantes Beispiel der Duke University in North Carolina (unter Leitung von Psychologieprofessor Dan Ariely) zeigte diesen anschaulichen Effekt. Teilnehmer des Experiments wurden mit dem Bauen von Lego-Modellen beauftragt. Während die Modelle der einen Probanden-Gruppe nach dem Aufbau direkt wieder auseinandergenommen wurden, durften die Modelle der anderen Probanden erhalten bleiben. Die Teilnehmer, deren Modelle erhalten wurden, bauten durchschnittlich doppelt so viele Modelle, obwohl die finanzielle Entlohnung für alle Teilnehmer die gleiche war.

Genauso gilt für Unternehmen, die Motivation von Mitarbeitern durch Sinnstiftung und den Beitrag und Erhalt ihrer Arbeit anzukurbeln und Leistungswillen dadurch zu steigern.

Was wir wollen – die 7 Wünsche zur beruflichen Zufriedenheit Teil 4

4. Verantwortungswunsch

Menschen möchten selbst entscheiden und ihr Handeln selbst steuern, so zumindest der größte Teil der Bevölkerung, der sich auf Basis von Wissen und Bildung selbst Meinungen und Urteile bilden und für die Konsequenzen des Handelns einstehen können.

Häufig habe ich schon den Satz gehört: ich bin doch ein erwachsener Mensch und möchte mich nicht herumkommandieren lassen. Schon kleine Kinder entwickeln den enormen Drang, das Gelernte sofort selbst umsetzen zu wollen, bzw. es selbst machen zu wollen, um sich in einer Sache noch weiter zu entwickeln. Aktuell darf ich beobachten, wie mein Kind nur noch alleine essen und trinken möchte. Ein 1-jähriges Kind kann dabei ganz schön viel Verwüstung hinterlassen, aber es ist gleichzeitig mächtig stolz auf die eigenen Leistungen und die gewonnene Selbständigkeit. Im späteren Leben sind es dann die Entscheidungen mit viel größerer Tragweite, an denen wir wachsen, für die wir einstehen und die wir versuchen, jedes Mal etwas besser zu machen. Aufgabe der Organisation ist daher auch, den Wert an Selbstbestimmtheit zu berücksichtigen und Verantwortungen abzugeben.

Was wir wollen – die 7 Wünsche zur beruflichen Zufriedenheit Teil 3

3. Geschwindigkeitswunsch

Wir können alles sofort nachschauen, sofort kaufen und sofort in Gang bringen. Bei der Geschwindigkeit steigt der Druck, sich selbst auch ständig zu bilden und neues Wissen zu erlangen, um dem Konkurrenzdruck standzuhalten. Das Tempo ist einerseits rein technisch und erlebbar gestiegen (Reisegeschwindigkeit bei Flugzeug, Bahn oder Auto), aber auch beim Waren- und Informationsaustausch. Geschwindigkeiten sind gestiegen beim Sport (Power-Yoga, High Intensity Training statt Ausdauerläufe) und beim Absolvieren von Bildung (verkürztes Abitur, E-Learning Angebote), selbst beim Lesen und Schreiben wird die Effizienz hochgeschraubt (Speed Reading und Schreibkurse) und zuletzt auch die Möglichkeit, immer mehr Tätigkeiten des Alltags outzusourcen (Online Supermarkt, Smart Home and Living, vom voll automatischen Staubsaugerroboter bis hin zur persönlichen Assistentin Alexa)

Unsere 16-jährige Babysitterin bemerkte: “Du hast nicht direkt auf die whatsapp reagiert, da dachte ich, ihr habt kein Interesse mehr“.

Doch was für die Unternehmen permanente Prozessoptimierung verspricht, scheint im Bereich des individuellen Lebens noch mit Vorsicht begutachtet, bzw. sogar in gegenläufigen Strömungen ausgelebt. Nach Gesprächen und vielen Beobachtungen nimmt das Bedürfnis eines bewussteren Lebens und Arbeitens wieder zu. Achtsamkeitstraining und Meditationskurse sind in aller Munde, Berufliches und Privates mehr zu trennen und sich um die Familie und Freunde kümmern rückt zunehmend in den Fokus, auch bei der jüngeren Generation, die gerade erst in das Berufsleben einsteigt. Nicht selten erkundigen sich Bewerber wieder über die tatsächlichen Arbeitszeiten und Urlaubsregelungen.

 

Was wir wollen – die 7 Wünsche zur beruflichen Zufriedenheit Teil 2

2. Unabhängigkeitswunsch

Unabhängigkeit – ein Gefühl, welches die Menschen entwickeln, um sich in Sicherheit zu bringen, nicht in der Abhängigkeit anderer zu stehen und enttäuscht, verletzt oder ausgenutzt zu werden. Eine unabhängige Stellung verschafft vermeintliche Selbstbestimmung und Freiheit von einem System, welchem sich der Mensch nicht ergeben möchte. Unabhänhig sein ist auch der Wunsch danach frei zu sein, über sich selbst bestimmen zu können, nicht kontrolliert zu werden.

Freiberuflich zu arbeiten ist gerade wohl so angesagt wie noch nie zuvor. Die Menschen möchten sich selbst steuern und sich selbst organisieren.

Doch es ist gleichzeitig ein Trugschluss, sich absolute Unabhängigkeit zu verschaffen (dafür müsste man schon einen vollständigen Ausstieg aus dem Alltagsleben wagen und sich für das Leben in den sibirischen Wäldern entscheiden). Die Umweltbedingungen und dynamische Weiterentwicklungen zwingen die Menschen immer mehr zur Vernetztheit, zum Miteinander sprechen. Menschen und Organisationen stehen sich in einem Geflecht aus gegenseitigen Abhängigkeiten und Anforderungen gegenüber. Wir sind (auch als Freiberufler) immer ein Teil der Wertschöpfungskette, an dessen Ende eine Idee oder ein Produkt steht. Wir brauchen die anderen, wir benötigen Austausch, Inspiration, Feedback und auch den gewissen Druck, um in absehbarer Zeit auch zum Ergebnis zu kommen.

Damit ist der Begriff der Unabhängigkeit gar kein vollständig erreichbarer Zustand, sondern allenfalls der Wunsch nach gewissen Entscheidungsspielräumen und Wahlfreiheiten innerhalb des Lebens und Arbeitens. Unternehmen begegnen diesem Drang zunehmend damit, dass Mitarbeitende zu Mitunternehmern gemacht werden und in sämtlichen Funktionsbereichen mit weitreichenden Freiheiten ausgestattet werden (sei es in der Wahlfreiheit von Arbeitszeit, Arbeitsort usw.).

Meine Mutter fragte neulich noch: „Wann suchst Du Dir denn wieder einen normalen Job?“ Ich: „Was meinst Du mit normal?“ Mutter: „So eine Anstellung mit festen Arbeitszeiten.“